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Metall & Elektro

Schweißer und Metallfachkräfte aus Serbien und Bosnien: Was die Mangelberufsliste erlaubt

In vielen Metallbetrieben in Vorarlberg und Tirol arbeiten seit Jahren Kollegen aus Serbien oder Bosnien und Herzegowina. Wer heute einen Schweißer, Dreher oder Fräser von dort einstellen will, hat einen klaren Weg: die Rot-Weiß-Rot-Karte für Fachkräfte in Mangelberufen. Wir zeigen dir aus Sicht deines Betriebs, welche Metallberufe auf der Liste stehen, wie die Punkte zusammenkommen und wo es in der Praxis hakt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schweißer, Dreher, Fräser und mehrere Schlosserberufe sind 2026 bundesweite Mangelberufe.
  • Nötig sind eine abgeschlossene Ausbildung, ein verbindliches Jobangebot mit mindestens KV-Lohn und 55 von 90 Punkten.
  • Serbische und bosnische Staatsbürger dürfen mit biometrischem Pass visumfrei einreisen und den Antrag dann persönlich in Österreich stellen. Arbeiten dürfen sie erst mit der Karte.

Stand Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Verbindlich sind die Auskünfte der Behörden.

Welche Metallberufe 2026 auf der Liste stehen

Die Fachkräfteverordnung 2026 legt 64 bundesweite Mangelberufe fest. Für Metallbetriebe zählen vor allem:

  • Fräser (Nr. 19) und Dreher (Nr. 20)
  • Schweißer und Schneidbrenner (Nr. 24)
  • Schlosser (Nr. 27), Bau-, Blech- und Konstruktionsschlosser (Nr. 35), Maschinenschlosser (Nr. 46)
  • Grobmechaniker (Nr. 30)
  • Techniker für Maschinenbau (Nr. 25) und Techniker mit höherer Ausbildung für Maschinenbau (Nr. 13)

In Vorarlberg stehen zusätzlich Automaten- und Maschineneinrichter auf der regionalen Liste. Sie gilt nur für Betriebe mit Sitz im Land. In Tirol gibt es für Metallberufe keine eigenen regionalen Einträge, dort greift die bundesweite Liste.

Die Verordnung gilt bis 31. Dezember 2026. Anträge, die bis dahin eingebracht sind, werden nach der Liste 2026 erledigt. Die Liste für 2027 war bei Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht. Hast du jetzt einen passenden Kandidaten, lohnt sich der Antrag noch heuer.

So kommen die 55 Punkte zusammen

Punkte gibt es für Ausbildung, Berufserfahrung, Sprache und Alter. Laut migration.gv.at gilt:

  • Abgeschlossene Ausbildung im Mangelberuf: 30 Punkte
  • Berufserfahrung: 1 Punkt je Halbjahr, in Österreich 2 Punkte (höchstens 20)
  • Deutsch auf A1, A2 oder B1: 5, 10 oder 15 Punkte
  • Englisch auf A2 oder B1: 5 oder 10 Punkte
  • Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch auf B1: 5 Punkte
  • Alter bis 30, 40 oder 50 Jahre: 15, 10 oder 5 Punkte

Zwei Rechenbeispiele: Ein 28-jähriger Schweißer mit abgeschlossener Ausbildung und sechs Jahren Berufserfahrung kommt auf 30 + 12 + 15 = 57 Punkte. Das reicht auch ohne Deutschzertifikat. Ist derselbe Schweißer 35, sind es nur 52 Punkte. Dann entscheidet ein Sprachnachweis: Deutsch auf A1 bringt ihn auf 57.

Die 5 Punkte für Bosnisch, Kroatisch oder Serbisch nennt migration.gv.at ausdrücklich. Welcher Nachweis dafür verlangt wird, klärst du vorab mit der Behörde.

Wie der Antrag für deinen Betrieb läuft

  1. Ausbildung prüfen. Lass dir Lehrabschluss oder Berufsschulzeugnis und die Dienstzeugnisse schicken. Fremdsprachige Urkunden brauchen eine beglaubigte Übersetzung.
  2. Jobangebot machen. Der Lohn muss mindestens dem Kollektivvertrag entsprechen.
  3. Arbeitgebererklärung ausfüllen. Das Formular findest du auf migration.gv.at.
  4. Antrag einbringen. Du kannst den Antrag als Arbeitgeber bei der Aufenthaltsbehörde in Österreich stellen, in Vorarlberg und Tirol meist die Bezirkshauptmannschaft, in Innsbruck der Magistrat. Die Fachkraft kann ihn auch bei der österreichischen Botschaft stellen, etwa in Belgrad oder Sarajewo. Oder sie reist visumfrei ein und stellt den Antrag persönlich bei der Behörde. Ein so gestellter Antrag berechtigt laut oesterreich.gv.at zum weiteren Verbleib, auch wenn die visumfreie Zeit abläuft. Die Gebühr beträgt 218 Euro.
  5. AMS-Prüfung abwarten. Die Behörde leitet den Antrag an das AMS weiter. Dort wird geprüft, ob Ausbildung, Punkte und Lohn passen.

Wie lange es dauert

Die Behörde muss innerhalb von acht Wochen entscheiden. Der Rechnungshof hat aber festgestellt, dass 2022 in mehr als 40 Prozent der Fälle länger gebraucht wurde. Rechne vom Handschlag bis zum ersten Arbeitstag lieber mit einigen Monaten.

Die Karte gilt bis zu 24 Monate und bindet die Fachkraft an deinen Betrieb. Will sie wechseln, braucht es einen Zweckänderungsantrag. Die neue Stelle darf sie laut oesterreich.gv.at frühestens 45 Tage danach vorläufig antreten, wenn die Unterlagen vollständig sind. War sie in 24 Monaten mindestens 21 Monate entsprechend beschäftigt, kann sie die Rot-Weiß-Rot-Karte plus beantragen. Die bringt freien Zugang zum Arbeitsmarkt.

Wohnung und Ankommen: der unterschätzte Teil

Das Verfahren ist planbar. Schwieriger ist oft die erste Wohnung. Wer nach Wochen Wartezeit keine Unterkunft hat, sagt im schlimmsten Fall ab. Was hilft:

  • eine Unterkunft für die ersten Wochen organisieren, etwa ein Zimmer oder eine Betriebswohnung
  • Kontakte für die Wohnungssuche weitergeben
  • klären, wie die Fachkraft in den ersten Tagen zur Werkstatt oder Baustelle kommt
  • einen Kollegen als Ansprechpartner benennen, im besten Fall jemanden, der die Sprache spricht

Wie du die ersten Wochen gut aufsetzt, liest du in unserem Beitrag zum Onboarding von Fachkräften. Was für Fachkräfte aus Kroatien gilt, das ja in der EU ist, steht in unserem Beitrag zu Fachkräften aus Kroatien und Bosnien.

Und wenn dein Betrieb in Bayern oder Baden-Württemberg sitzt?

In Deutschland gilt eigenes Recht. Für Staatsangehörige aus sechs Westbalkanstaaten, darunter Serbien und Bosnien und Herzegowina, gibt es die Westbalkanregelung. Die Bundesagentur für Arbeit kann dafür bis zu 50.000 Zustimmungen pro Jahr erteilen. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht vor, das Kontingent auf 25.000 zu halbieren. Wann das umgesetzt wird, war bei Redaktionsschluss offen. In Deutschland vermitteln wir ausschließlich in feste Anstellung.

Wie wir dich unterstützen

Wir suchen Metallfachkräfte, sprechen sie an und führen die Vorgespräche. Ob es für eine Rot-Weiß-Rot-Karte reicht, entscheidet am Ende die Behörde. Wir sagen dir im Erstgespräch ehrlich, ob sich der Weg für deine Stelle lohnt, und worauf du bei den Unterlagen achten musst. Bei der Vermittlung zahlst du nur bei Erfolg, die Höhe bekommst du vorab schriftlich.

Häufige Fragen

Dürfen Fachkräfte aus Serbien oder Bosnien nach visumfreier Einreise schon arbeiten?

Nein. Die visumfreie Einreise erlaubt Aufenthalte bis zu 90 Tage innerhalb von 180 Tagen, aber keine Arbeit. Gearbeitet wird erst mit erteilter Rot-Weiß-Rot-Karte.

Braucht ein Schweißer eine formale Anerkennung seiner Ausbildung?

Für die Rot-Weiß-Rot-Karte in der Regel nicht. Laut migration.gv.at ist eine Anerkennung nur bei reglementierten Berufen nötig. Das AMS beurteilt die Ausbildung anhand der Nachweise. Freiwillig ist eine Gleichhaltung mit der österreichischen Lehrabschlussprüfung möglich.

Was passiert, wenn ein Beruf 2027 nicht mehr auf der Liste steht?

Anträge, die bis 31. Dezember 2026 eingebracht sind, werden nach der Liste 2026 erledigt.

Fazit

Für Metallberufe ist der Weg aus Serbien und Bosnien klar geregelt. Entscheidend sind vollständige Nachweise, ein Jobangebot nach KV und genug Vorlauf. Kümmere dich früh um Wohnung und Ankommen. Das entscheidet oft mehr als das Verfahren selbst.

Du suchst Schweißer, Dreher oder Fräser? In einem Erstgespräch klären wir in 20 Minuten, ob der Weg über die Grenze für deine Stelle passt. Wie wir für Metallbetriebe arbeiten, zeigt unsere Seite Personalvermittlung Metall & CNC. Was dich die offene Stelle bis dahin kostet, rechnest du mit unserem Kosten-Rechner nach.

Kategorie: Metall & Elektro

Philipp Hofer sitzt lächelnd auf einer Treppe

Geschrieben von

Philipp Hofer & Team

Philipp Hofer ist Gründer von Hofer Personal. Gemeinsam mit unserem Team begleiten wir KMU in Österreich, der Ostschweiz und Süddeutschland bei der Personalsuche und der Unternehmensnachfolge – mit 32 Jahren Erfahrung und im Schnitt über 250 Vermittlungen pro Jahr.

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