Metallbetrieb im Rheintal: Gegen die Schweiz und Liechtenstein um Fachkräfte
Du bildest einen Lehrling zum Zerspanungstechniker aus, und ein paar Jahre nach der Lehrabschlussprüfung fährt er in der Früh über den Rhein. Liechtenstein und die Schweiz liegen für viele Metallbetriebe im Rheintal gleich nebenan, und dort wird in Franken bezahlt. Wer Fachkräfte im Metallbereich in Vorarlberg sucht, muss mit dieser Konkurrenz leben. Verlieren musst du deshalb nicht. Es kommt darauf an, wo du ansetzt.
Das Wichtigste in Kürze
Ende 2024 arbeiteten 16.792 Menschen aus Vorarlberg im Ausland, davon 8.426 in Liechtenstein und 7.601 in den Schweizer Kantonen am Bodensee.
Beim Bruttolohn gewinnst du selten. Rechne mit Kandidaten deshalb netto, aufs ganze Jahr und mit der Pendelzeit.
Punkten kannst du mit kurzen Wegen, gutem Arbeitsklima, Weiterbildung und Hilfe beim Wohnen.
Wie viele Fachkräfte aus Vorarlberg über die Grenze pendeln
Die Statistikplattform Bodensee wertet jedes Jahr die Pendlerströme in der Region aus. Im Bericht vom Dezember 2025 stehen für Vorarlberg 16.792 Menschen, die im Ausland arbeiten. 8.426 davon fahren nach Liechtenstein, 7.601 in die Schweizer Kantone am Bodensee, die meisten in den Kanton St. Gallen (6.862). Umgekehrt pendeln aus der Schweiz so gut wie keine Arbeitskräfte nach Vorarlberg.
Für Metallbetriebe besonders wichtig: Bei den Pendlern aus Österreich ist das verarbeitende Gewerbe in beiden Zielländern die größte Branche. 3.538 von ihnen arbeiten dort in Liechtenstein, 3.123 in der Schweizer Bodenseeregion. In Liechtenstein stellen Grenzgänger inzwischen 56,5 Prozent aller Erwerbstätigen.
Als Gründe nennt der Bericht die beträchtlichen Lohnunterschiede, große Industriebetriebe im Rheintal und die gute Erreichbarkeit der Arbeitsplätze. Am Vorarlberger Arbeitsmarkt selbst ist die Lage zwiespältig. Ende September 2026 waren 11.343 Menschen arbeitslos gemeldet, gleichzeitig verlangen 73 Prozent der offenen Stellen beim AMS mindestens einen Lehrabschluss. Fräser, Dreher, Schweißer und Schlosser stehen 2026 österreichweit auf der Mangelberufsliste.
Nettovergleich: Rechne gemeinsam mit dem Kandidaten
Wer zwischen dir und einem Betrieb in Liechtenstein überlegt, vergleicht oft zwei Monatslöhne: deinen in Euro, den anderen in Franken. Diese Rechnung ist unvollständig. Hilf dem Kandidaten, sie ganz aufzumachen.
Jahr statt Monat: In Österreich sind Urlaubs- und Weihnachtsgeld über den Kollektivvertrag üblich, also 14 Gehälter. Rechne immer mit dem Jahresbrutto inklusive Zulagen und Überstundenregelung. Warum das wichtig ist, erklären wir im Beitrag über das 13. und 14. Gehalt.
Steuer und Abzüge: Wer in Vorarlberg wohnt und in Liechtenstein arbeitet, versteuert sein Einkommen grundsätzlich in Österreich. Die in Liechtenstein abgezogene Quellensteuer von 4 Prozent wird dabei angerechnet. Dazu kommen Sozialabgaben im Arbeitsland und eine Krankenversicherung, die man selbst wählen muss. Für die Schweiz gelten eigene Regeln.
Wechselkurs: Ein Lohn in Franken ist in Euro gerechnet keine fixe Größe. Was heute nach viel aussieht, kann sich verschieben.
Pendelkosten: Sprit, Abnützung am Auto oder das Ticket, dazu die Zeit im Frühverkehr an der Grenze.
Unser Rat: Leg deine Zahlen offen auf den Tisch und bitte den Kandidaten, die Gegenseite genauso aufzuschreiben. Manchmal bleibt ein Abstand, den du nicht schließen kannst. Dann weißt du wenigstens, um welchen Betrag es geht und welche anderen Argumente ihn aufwiegen müssen.
Pendelzeit ist Lebenszeit
Eine halbe Stunde mehr Fahrzeit pro Strecke klingt nach wenig. Bei rund 220 Arbeitstagen im Jahr sind das etwa 220 Stunden, mehr als fünf volle Arbeitswochen im Auto. Viele Grenzgänger rechnen das irgendwann selbst nach, spätestens wenn Kinder kommen.
Genau hier liegt deine Chance. Wer seit Jahren nach Liechtenstein oder in die Schweiz fährt, ist nicht für immer weg. Sprich diese Leute gezielt an: mit einem Arbeitsplatz in der Nähe, einem Schichtbeginn, der zum Kindergarten passt, oder mit Gleitzeit, mit der man dem Stoßverkehr ausweicht. Wie Direktansprache konkret abläuft, zeigt unser Beitrag CNC-Fräser finden: Direktansprache statt Inserat. Von unserem Standort in Lustenau aus kennen wir die Betriebe im Vorarlberger Rheintal gut.
Arbeitsklima: Wo kleinere Betriebe vorne liegen
Große Industriebetriebe zahlen gut. Dafür fallen Entscheidungen oft weit weg von der Halle, und Ansprechpartner wechseln. In einem Metallbetrieb mit 20 oder 50 Leuten kann das anders laufen, wenn du es bewusst angehst:
Der Chef kennt die Leute beim Namen und schaut regelmäßig in der Werkstatt vorbei.
Wer eine Idee für eine bessere Aufspannung hat, bekommt eine Antwort, und zwar noch in derselben Woche.
Beim Kauf einer neuen Maschine reden die mit, die später daran stehen.
Überstunden werden so ausbezahlt oder ausgeglichen, wie es vereinbart ist.
Das kostet wenig Geld, dafür Aufmerksamkeit. Und genau das kann ein großer Konzern auf der anderen Seite der Grenze am schwersten nachmachen.
Weiterbildung und eine echte Perspektive
Viele gute Facharbeiter wechseln, weil sie im alten Betrieb nicht weiterkommen. Zeig früh, wohin der Weg bei dir führen kann. Das kann eine Steuerungs- oder CAM-Schulung sein, damit aus dem Bediener jemand wird, der selbst programmiert. Oder die Werkmeister- und Meisterausbildung, bei der du Kosten und Zeit mitträgst. Auch Verantwortung als Lehrlingsausbildner oder Schichtführer ist für viele ein Grund zu bleiben.
Zahlst du eine teure Ausbildung, kannst du in Österreich einen Ausbildungskostenrückersatz vereinbaren. Er muss schriftlich festgehalten sein, sich Monat für Monat verringern und ist im Regelfall auf vier Jahre nach Ende der Ausbildung begrenzt. Sprich das offen an, dann gibt es später keine bösen Überraschungen.
Wohnen: das unterschätzte Argument
Wenn du Fachkräfte aus anderen Bundesländern, aus Deutschland oder von weiter weg holen willst, kann es an der Wohnung scheitern. Hilfreich sind eine Betriebswohnung oder eine angemietete Übergangswohnung für die ersten Monate, Kontakte zu Vermietern in der Umgebung und Unterstützung bei Besichtigungen und Behördenwegen. Wer am ersten Tag schon einen Schlüssel in der Hand hat, fängt leichter an.
Für Fachkräfte aus Drittstaaten gibt es bei Mangelberufen wie Fräser oder Dreher die Rot-Weiß-Rot-Karte. Was dabei zu beachten ist, haben wir im Beitrag über die Suche nach CNC-Fräsern zusammengefasst.
Häufige Fragen
Wie viele Vorarlberger arbeiten in Liechtenstein und in der Schweiz?
Laut Statistikplattform Bodensee arbeiteten Ende 2024 insgesamt 16.792 Menschen aus Vorarlberg im Ausland. 8.426 pendelten nach Liechtenstein, 7.601 in die Schweizer Kantone am Bodensee.
Kann ein Vorarlberger Metallbetrieb mit Schweizer Löhnen mithalten?
Beim Bruttolohn meistens nicht. Rechnet man netto, aufs ganze Jahr und mit der Pendelzeit, kann der Abstand kleiner werden, als er auf den ersten Blick aussieht. Den Rest machen Arbeitsklima, Weiterbildung und kurze Wege.
Lohnt es sich, Grenzgänger gezielt anzusprechen?
Ja. Wer seit Jahren über die Grenze pendelt, kennt Stau, lange Fahrzeiten und den schwankenden Wechselkurs. Mit einem konkreten Angebot in der Nähe erreichst du gerade diese Leute. Wir sprechen solche Fachkräfte für dich direkt und diskret an.
Bietet ihr für Metallberufe auch Überlassung an?
In Österreich ja, Bauberufe ausgenommen. So kannst du eine Fachkraft zuerst im Betrieb kennenlernen und danach fix übernehmen. In Deutschland vermitteln wir nur, Zeitarbeit bieten wir dort nicht an.
Fazit: Rechne das ganze Paket
Beim Bruttobetrag liegen Liechtenstein und die Schweiz meist vorne. Dafür hast du andere Trümpfe: einen ehrlichen Nettovergleich, kurze Wege, einen Chef, den man kennt, Weiterbildung und Hilfe beim Ankommen. Schreib diese Punkte für deinen Betrieb auf, bevor du die nächste Fachkraft ansprichst.
Was dich eine offene Stelle in der Zwischenzeit kostet, rechnest du mit unserem Kosten-Rechner aus. Wie wir Metallbetriebe bei der Suche unterstützen, steht auf der Seite Personalvermittlung Metall & CNC. Und wenn du lieber gleich redest: 20-Min-Gespräch buchen oder Mail an office@hofer-personal.at.
Quellen
Grenzüberschreitende Arbeitsmobilität in der internationalen Bodenseeregion 2025 (Statistikplattform Bodensee, 16. Dezember 2025, Stichtag 31. Dezember 2024)
Arbeitslosigkeit in Vorarlberg steigt (VOL.AT, 1. Oktober 2026, Arbeitsmarktdaten des AMS Vorarlberg Ende September 2026)
Fachkräfteverordnung 2026, BGBl. II Nr. 316/2025 (RIS, ausgegeben am 23. Dezember 2025)
Wohnen in Österreich, arbeiten in Liechtenstein (Vorarlberger Grenzgängerverband)
§ 2d Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz (AVRAG), Ausbildungskostenrückersatz (RIS)





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